{"id":1008,"date":"2017-03-20T23:27:40","date_gmt":"2017-03-20T21:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/?page_id=1008"},"modified":"2017-03-20T23:31:27","modified_gmt":"2017-03-20T21:31:27","slug":"mf-3-zeitenwende","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/?page_id=1008","title":{"rendered":"M&#038;F-3: Zeitenwende"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unbekanntes System<\/strong><br \/>\n<strong> September 2355 (ESZ)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sanft glitt der Shuttle durch die in ein tiefes Rot getauchte Start- und Lander\u00f6hre des Allianzzerst\u00f6rers <em>ACS Deucalion<\/em>, bis er schlie\u00dflich in das freie All vorstie\u00df, vorbei an den vier rhythmisch blinkenden Positionslichtern, die die Ecken des Zugangs der R\u00f6hre flankierten.<br \/>\nCaptain Meena Sinha sa\u00df im Passagierabteil und lehnte sich in ihren Sitz zur\u00fcck, wobei sie versuchte, nach au\u00dfen hin einen entspannten Eindruck zu machen. Ihre Haare waren lang und schwarz, ihre Haut hatte einen dunklen Teint. Ihre braunen Augen wirkten verschlossen, und ihr dank seiner weichen Z\u00fcge durchaus als sch\u00f6n zu bezeichnendes Gesicht machte einen ernsten, aber nicht angespannten Eindruck, was nicht nur an der Situation lag.<br \/>\nIhr gegen\u00fcber sa\u00df ein schwarz uniformierter Agent der Alliance Central Security Agency (ACSA) \u2013 des pers\u00f6nlichen Geheimdiensts des Pr\u00e4sidenten der Interstellaren Grenzallianz \u2013, der sie keine Sekunde lang aus den Augen lie\u00df und dessen Miene vollkommen kalt und versteinert wirkte.<br \/>\nDennoch war Meena Sinhas Stimmung nicht schlecht. Und das, obwohl die Umst\u00e4nde ihrer Anreise alles andere als positiv waren. Sie wusste weder, wo sie sich gerade befand, noch, warum sie hier war. Die vergangenen Tage hatte sie an Bord des Zerst\u00f6rers verbracht, von der Au\u00dfenwelt vollkommen abgeschottet. Man hatte ihr nicht nur den Zugang zu s\u00e4mtlichen Medien verwehrt, sondern ihr auch jeglichen Kontakt zur Crew des Schiffs untersagt, wodurch sie sich die Zeit in ihrem Quartier mit einem Buch vertreiben musste.<br \/>\nDass sie sich auf der <em>Deucalion<\/em> nicht frei bewegen konnte, war nat\u00fcrlich nicht verwunderlich, denn schlie\u00dflich geh\u00f6rte das Schiff zur ACSA. Normalerweise betrat kein Mitglied des Allianzmilit\u00e4rs \u2013 oder gar eine Zivilperson \u2013 dieses Schiff ohne einen triftigen Grund. Wenn doch, sah man die betreffenden Personen f\u00fcr gew\u00f6hnlich nie wieder. Doch in ihrem Fall w\u00fcrde das anders sein, dessen war sich Meena Sinha sicher. Die Umst\u00e4nde ihrer Anwesenheit waren einfach andere. Allein dass ihr Name Sinha lautete, machte sie in der Allianz zu einer schwer fassbaren Person.<br \/>\nIhre Familie geh\u00f6rte zu den einflussreichsten in der Grenzallianz und stand der des Pr\u00e4sidenten sehr nahe. Nat\u00fcrlich war sie dadurch nicht v\u00f6llig unantastbar, denn die Taylors gingen sogar gegen engste Familienangeh\u00f6rige vor, sofern sie gegen die Interessen des Pr\u00e4sidenten arbeiteten. Doch ihr fiel beim besten Willen kein Grund ein, warum sie oder ihre Familie sich beim Pr\u00e4sidenten unbeliebt gemacht haben sollten. Nein, es musste einen anderen Grund geben. Davon ging sie jedenfalls aus.<br \/>\nDas einzig Gute an der Situation war, dass sie anscheinend ihr Ziel erreicht hatten, sodass sie nun endlich Antworten auf ihre Fragen bekommen w\u00fcrde. Dieser Gedanke hob ihre Laune ein wenig, obwohl sie nat\u00fcrlich wusste, dass es daf\u00fcr eigentlich keinen Grund gab.<br \/>\nSie richtete ihren Blick auf den Agenten, der sie noch immer mit ausdruckslosen Augen anvisierte \u2013 doch auf einmal regte sich so etwas wie Leben in dem Mann.<br \/>\n\u00bbMachen Sie sich bitte bereit, Ma\u2018am. Wir sind bald da.\u00ab<br \/>\n\u00bbDarf ich wissen, wo das ist?\u00ab, erkundigte sie sich.<br \/>\n\u00bbDas werden Sie fr\u00fch genug erfahren\u00ab, antwortete er ihr kurz angebunden.<br \/>\nMehrere Minuten verstrichen, in denen nichts weiter passierte, bis der Shuttle pl\u00f6tzlich aufsetzte. Sie vernahm das deutliche Einrasten der Andockklammern, was ein Hinweis darauf war, dass der Shuttle auf einer Plattform gelandet war, die sich innerhalb der Start- und Lander\u00f6hre eines Schiffs oder einer Raumstation befand.<br \/>\nDie Plattform setzte sich in Bewegung und fuhr nach oben. Meena Sinha unterdr\u00fcckte den Drang, auf ihrem Platz unruhig von einer Seite auf die andere zu rutschen.<br \/>\nUnvermittelt stoppte die Plattform.<br \/>\nDer Agent lauschte dem Funkverkehr und stand schlie\u00dflich auf, um die Ausstiegsluke zu \u00f6ffnen. Sobald das erledigt war, wandte er sich ihr zu. \u00bbNach Ihnen, Ma\u2018am\u00ab, sagte er und zeigte auf den offenen Ausstieg.<br \/>\nMeena Sinha erhob sich von ihrem Sitzplatz und setzte sich langsam in Bewegung, wobei sie den Agenten absch\u00e4tzend ansah, bevor sie den Shuttle verlie\u00df. Sie war eigentlich davon ausgegangen, von noch mehr dieser schwarz uniformierten Gestalten in Empfang genommen zu werden, doch zu ihrer Verwunderung sah sie sich lediglich jeder Menge regul\u00e4rem Raumflottenpersonal und unz\u00e4hligen Allianz-Marines gegen\u00fcber.<br \/>\nEin m\u00e4nnlicher Lieutenant Commander trat auf sie zu. \u00bbMa\u2018am, willkommen auf der <em>Alliance<\/em>.\u00ab<br \/>\nMeenas Augen weiteten sich ungewollt. \u00bbReden wir hier vom Schlachtschiff <em>Alliance<\/em> \u2026\u00ab \u2013 ihre Augen suchten das Namensschild des Flottenoffiziers \u2013 \u00bb\u2026 Commander Jeffries?\u00ab<br \/>\n\u00bbJa, Ma\u2018am. Dies ist das Schiff von Fleet Admiral Murali Narayan\u00ab, antwortete er. \u00bbDer Admiral erwartet Sie bereits in seinem Arbeitszimmer\u00ab, fuhr er fort und wies dabei mit einer Hand zum Ausgang des Hangars. \u00bbFolgen Sie mir bitte.\u00ab<br \/>\nWas? Fleet Admiral Narayan will mit mir sprechen? Was kann der Oberbefehlshaber der Alliance Defense Forces nur von mir wollen?, ging es ihr durch den Kopf. Wie ich diese Geheimniskr\u00e4merei hasse!<br \/>\n\u00bbMa\u2018am\u00ab, vernahm sie die fordernd klingende Stimme des Commanders, dem sie sich nur widerwillig zuwandte.<br \/>\n\u00bbKomme\u00ab, sagte sie knapp und sah noch einmal kurz zur\u00fcck zu dem Shuttle und dem ACSA-Agenten. Doch das Schotttor war l\u00e4ngst wieder geschlossen, der Shuttle befand sich wohl bereits auf dem R\u00fcckweg zur <em>Deucalion<\/em> \u2013 durchaus ein Grund zur Erleichterung.<br \/>\nNachdem der Commander sich noch einmal, diesmal auf eine eher ungeduldig klingende Art und Weise, bemerkbar gemacht hatte, folgte Meena Sinha ihm zum n\u00e4chstbesten Turbolift.<br \/>\n\u00bbKommandodeck\u00ab, befahl Jeffries, und sobald auch Meena sich in der Kabine befand, setzte sich der Lift umgehend in Bewegung. Die Fahrt dauerte nicht lange, bereits nach kurzer Zeit glitten die T\u00fcren zur Seite.<br \/>\nJeffries gab ihr mit einem Blick klar zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte, und nach wenigen Schritten erreichten sie einen Korridor. Dieser war von mehreren Wachsoldaten der Alliance Special Forces (ASF) ges\u00e4umt, die f\u00fcr den Schutz des Pr\u00e4sidenten und anderer hoher W\u00fcrdentr\u00e4ger der Grenzallianz verantwortlich waren.<br \/>\nDer Commander steuerte gezielt eine T\u00fcr an, vor der drei Soldaten Wache standen. \u00bbCaptain Meena Sinha zum Admiral\u00ab, sagte er zu dem ASF-Lieutenant, der umgehend Narayan kontaktierte.<br \/>\nDie T\u00fcr \u00f6ffnete sich, und Commander Jeffries trat mit den Worten \u00bbSie d\u00fcrfen eintreten, Captain\u00ab zur Seite.<br \/>\nMeena z\u00f6gerte kurz, betrat dann jedoch selbstbewusst das Arbeitszimmer des Admirals.<br \/>\nNarayan stand vor einem gro\u00dfen holografischen Fenster, das er jedoch verdunkelte, sobald er ihre Anwesenheit wahrnahm.<br \/>\n\u00bbCaptain Meena Sinha meldet sich wie befohlen, Sir\u00ab, sagte sie und salutierte in der ihrem Rang entsprechenden Manier.<br \/>\nDer Admiral wandte sich ihr zu. Er war Ende f\u00fcnfzig und von leicht untersetzter Statur. Seine Haare waren bereits angegraut, und seine Haut hatte, ebenso wie die ihre, einen dunklen Teint. Sein Gesicht wirkt angespannt und gleichzeitig unverbindlich, als er sagte: \u00bbR\u00fchren, Captain.\u00ab Er sah in Richtung seines Schreibtischs. \u00bbSetzen Sie sich\u00ab, sagte er und wies auf einen bequem aussehenden Stuhl, der vor dem Schreibtisch stand.<br \/>\nMeena steuerte den Stuhl an, blieb jedoch unvermittelt stehen, als sie eine weitere Person bemerkte, die pl\u00f6tzlich aus dem Halbdunkel heraustrat.<br \/>\nDie Kriegsministerin!, durchfuhr es sie wie ein Blitz. Wo bin ich da nur hineingeraten?, fragte sie sich leicht besorgt. Doch sie \u00fcberwand die erste Verwunderung rasch und nahm unverz\u00fcglich wieder Haltung an.<br \/>\nValentina Petrova, der das Kriegsministerium unterstand, kam mit ausdrucksloser Miene auf sie zu, nahm dann jedoch unvermittelt in einem ledernen Sessel Platz, der neben dem Schreibtisch des Admirals stand. Sie schlug die Beine \u00fcbereinander und blickte Meena forschend an. \u00bbSetzen Sie sich doch, Captain\u00ab, wiederholte sie die Aufforderung des Admirals.<br \/>\n\u00bbJa, Ma\u2018am\u00ab, antwortete Meena und tat, wie ihr gehei\u00dfen.<br \/>\nNarayan, der inzwischen selbst in seinem Sessel Platz genommen hatte, l\u00e4chelte schmal. \u00bbNur die Ruhe, Captain Sinha. Sie haben nichts zu bef\u00fcrchten. Sie sind hier, weil wir der Meinung sind, dass Sie genau die richtige Person f\u00fcr eine Unternehmung sind, die wir in den n\u00e4chsten Monaten in Gang setzen wollen.\u00ab<br \/>\n\u00bbWas f\u00fcr eine Unternehmung?\u00ab, hakte Meena sofort nach.<br \/>\n\u00bbEine, der eine entscheidende Bedeutung zukommt, Captain\u00ab, stellte Petrova mit ernster Stimme klar. \u00bbDie gesamte Zukunft der Allianz k\u00f6nnte vom erfolgreichen Ausgang dieser Unternehmung abh\u00e4ngen\u00ab, erkl\u00e4rte sie weiter.<br \/>\nKleiner ging es wohl nicht?, dachte Meena sp\u00f6ttisch, ohne eine Miene zu verziehen. \u00bbK\u00f6nnen Sie konkreter werden, Frau Ministerin?\u00ab, fragte sie einige Herzschl\u00e4ge sp\u00e4ter.<br \/>\n\u00bbProjekt Janus, Captain\u00ab, beantwortete Narayan ihre Frage.<br \/>\n\u00bbJanus?\u00ab, fragte Meena mit hochgezogenen Augenbrauen. \u00bbEtwa der r\u00f6mische Gott mit den zwei Gesichtern?\u00ab<br \/>\n\u00bbGanz recht\u00ab, antwortete der Flottenadmiral und tauschte einen vielsagenden Blick mit Petrova aus. Als diese nickte, erhob sich der Admiral von seinem Sessel, ging zu dem holografischen Fenster und hob die Verdunkelung auf. \u00bbKommen Sie her, Captain\u00ab, forderte Narayan Meena auf, nachdem er mehrere Augenblicke das angesehen hatte, was man von dem Fenster aus sehen konnte.<br \/>\nMeena sah unschl\u00fcssig die Ministerin an, die ihren Blick ohne gro\u00dfe Gef\u00fchlsregung erwiderte. Schlie\u00dflich kam sie der Aufforderung des Admirals nach und trat neben ihn.<br \/>\n\u00bbSehen Sie\u00ab, meinte er und deutete mit der Hand auf das Fenster.<br \/>\nMeena sah durch das Fenster, und ihre Augen weiteten sich umgehend. Vor ihr tat sich ein gewaltiges Werftdock auf, in dem sich ein gro\u00dfes Raumschiff befand. Um das Schiff wuselten unz\u00e4hlige emsige Arbeiter in Raumanz\u00fcgen und Arbeitsshuttles herum. Doch es war das Schiff, das schnell ihre gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie musterte die keilf\u00f6rmige Struktur, die so gar nicht zu einem Allianzschiff passen wollte, und ihre Verwunderung nahm ungeahnte Z\u00fcge an. Auch die mattschwarze Rumpffarbe und die dunkelblauen Streifen erregten ihren Argwohn. \u00bbIst das etwa ein UES-Kreuzer? Wie sind wir denn an so ein Schiff gekommen?\u00ab<br \/>\n\u00bbSehen Sie genauer hin\u00ab, verlangte der Admiral.<br \/>\nErneut wandte sich Meena dem Schiff zu und studierte es. Sie verglich die L\u00e4nge des Schiffs mit der eines Zerst\u00f6rers der Demon-Klasse, der hinter dem Dock auf Position kreuzte, aber die Ma\u00dfe schienen zu stimmen. Selbst nach einer eingehenden Begutachtung der \u00e4u\u00dferen Details konnte sie keine Unstimmigkeiten ausmachen. Ratlos sch\u00fcttelte sie den Kopf.<br \/>\n\u00bbSetzen wir uns wieder, Captain\u00ab, sagte Narayan in aller Seelenruhe und steuerte erneut seinen Sessel an. \u00bbSie haben sich sicher gefragt, um was f\u00fcr ein Schiff es sich handelt\u00ab, begann er, nachdem er und auch Meena wieder Platz genommen hatten. \u00bbIch kann Ihnen sagen, dass dies einer unserer Gro\u00dfen Kreuzer der Independence-Klasse ist. Wir haben das Schiff in seiner \u00e4u\u00dferen Erscheinung so rekonstruiert, dass es aussieht wie ein Kreuzer von der Erde.\u00ab<br \/>\n\u00bbZu welchem Zweck, Sir?\u00ab, fragte Meena vorsichtig, denn den konnte sie sich selbst denken.<br \/>\nNarayan l\u00e4chelte d\u00fcnn. \u00bbUm es kurz zu machen, Captain: Projekt Janus besteht nicht nur aus dem Umbau eines unserer Raumschiffe \u2013 denn das allein w\u00fcrde auch keinen Sinn ergeben \u2013, sondern verfolgt den Zweck, die UES in einen neuerlichen Krieg mit der Sidani-F\u00f6deration zu ziehen.\u00ab<br \/>\nMeena hatte gro\u00dfe M\u00fche, zu verhindern, dass ihr die Kinnlade herunterfiel. <em>Hat der Admiral das gerade wirklich gesagt? Will er die UES tats\u00e4chlich in einen Krieg mit den Sidani ziehen \u2013 sozusagen in einen zweiten Erde-Sidani-Krieg?<\/em> Ihr Magen begann sich zu verkrampfen. <em>Doch, genau das hat der Admiral gesagt<\/em>, erkannte sie. <em>Dieses Schiff da drau\u00dfen ist ein beschissener Handelsst\u00f6rer. Das ist total verr\u00fcckt. Wahnsinnig, bescheuert!<\/em><br \/>\n\u00bbGeht es Ihnen gut, Captain?\u00ab, erkundigte sich Petrova, der der entr\u00fcckt wirkende Blick von Meena Sinha nicht entgangen war.<br \/>\nMeena sah die Ministerin sofort an. \u00bbJa, Ma\u2018am\u00ab, beeilte sie sich zu antworten. Es lag nicht in ihrem Interesse, vor der Kriegsministerin Schw\u00e4che zu zeigen, denn dies war innerhalb der Grenzallianz grunds\u00e4tzlich keine gute Idee. \u00bbMir ist nur gerade die Tragweite des Gesagten bewusst geworden.\u00ab<br \/>\nFleet Admiral Narayans L\u00e4cheln nahm derweil einen k\u00fchlen Ausdruck an. \u00bbJa, da kann man schon einmal die Fassung verlieren, nicht wahr, Captain?\u00ab, gab er sich jovial. \u00bbAber glauben Sie mir, der Pr\u00e4sident hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht.\u00ab Narayan erhob sich und umrundete seinen Schreibtisch. Er baute sich vor ihr auf, verschr\u00e4nkte die Arme und lehnte sich gegen die Tischkante. \u00bbPr\u00e4sident Taylor und seine Berater glauben, dass die UES auch einen zweiten Krieg gegen die Sidani gewinnen k\u00f6nnte. Unsere Technik hat in den vergangenen drei\u00dfig Jahren enorme Fortschritte gemacht. Wir sind den Sidani mehr als gewachsen.\u00ab<br \/>\nMeena nickte verstehend. \u00bbAber um die Sidani geht es hierbei nicht, oder? Die sind nur ein Mittel zum Zweck.\u00ab<br \/>\n\u00bbGut erkannt, Captain\u00ab, befand Petrova, deren Stimme fast schon lobend klang. \u00bbZiel des Plans ist eine deutliche Schw\u00e4chung der UES, damit sich unsere Allianz wieder weiter ausdehnen kann. Zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt sind wir der Erde leider nicht mehr gewachsen. Weder wirtschaftlich noch milit\u00e4risch.\u00ab<br \/>\n<em>Steht es wirklich so schlecht?<\/em>, fragte sich Meena im Stillen, w\u00e4hrend sie laut sagte: \u00bbDoch nur auf lange Sicht gesehen, oder, Ma\u2018am?\u00ab<br \/>\n\u00bbF\u00fcr den Moment ja, Captain\u00ab, erwiderte Petrova. \u00bbDoch ohne eine weitere Expansion ist es um die Zukunft unserer Allianz eher schlecht bestellt. Aufgrund der im letzten Jahr gescheiterten Eroberung des Porrima-Systems sowie der dadurch nicht stattgefundenen Operationen gegen Zavijava und Denebola fehlen uns die notwendigen wirtschaftlichen Impulse und Ressourcen, um unsere Wirtschaft in dem Umfang weiterzuentwickeln, wie es eigentlich angebracht w\u00e4re.\u00ab Petrova lehnte sich zur\u00fcck und machte einen sichtlich angespannten Eindruck. \u00bbAuf normalem Weg gelingt uns das nun nicht mehr\u00ab, fuhr sie fort. \u00bbDer bisherige Kurs von Pr\u00e4sident Taylor l\u00e4sst sich nur unter der Voraussetzung weiterhin durchhalten, dass die UES sowohl milit\u00e4risch als auch politisch deutlich geschw\u00e4cht wird.\u00ab<br \/>\nBei der Erw\u00e4hnung der fehlgeschlagenen Porrima-Aktion war Meena leicht zusammengezuckt, denn ausgerechnet ihre Schwester Kavita Sinha war hierf\u00fcr verantwortlich gewesen. Was f\u00fcr ein aberwitziger Plan, dachte sie. Aber warum eigentlich nicht?, fragte sie sich und sortierte ihre Gedanken. Die UES hat die Sidani einmal besiegt, sie k\u00f6nnte das vielleicht ein weiteres Mal schaffen. Aber trotzdem, so ein Konflikt w\u00fcrde Millionen, vielleicht Milliarden von Toten bedeuten, und das nur, weil der Allianzpr\u00e4sident l\u00e4ngst notwendige Reformen nicht durchf\u00fchren will. Diese Gedanken laut auszusprechen wagte Meena nicht. Es war auch nicht angebracht. Stattdessen richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf andere wichtige Details der anstehenden Unternehmung: \u00bbUnd ich soll die <em>Janus<\/em> kommandieren?\u00ab<br \/>\n\u00bbJa, Captain. Sie wurden angefordert\u00ab, antwortete Narayan.<br \/>\n\u00bbVon wem?\u00ab, fragte Meena, die die Antwort schon erahnte.<br \/>\n\u00bbHigh Commissioner Kavita Sinha ist die Hauptinitiatorin des Janus-Projekts\u00ab, antwortete Petrova f\u00fcr den Admiral. \u00bbIhre Schwester, nicht wahr?\u00ab<br \/>\n\u00bbJawohl, Ma\u2018am.\u00ab<br \/>\nSeit der missgl\u00fcckten Porrima-Aktion war der Stern der Sinha-Familie innerhalb der Allianz im Sinkflug begriffen gewesen; zumindest war sie nicht mehr so einflussreich wie zuvor. Meena selbst hatte davon nicht viel mitbekommen, denn sie war die Kommandantin des Zerst\u00f6rers <em>Daedalus<\/em> geblieben und verbrachte ohnehin nicht viel Zeit auf Berenicia. F\u00fcr Kavita und ihre Eltern hingegen waren die Folgen weit weniger erfreulich, zumal ihre Schwester mit erheblichen medizinischen Problemen zu k\u00e4mpfen gehabt hatte. Doch nun war ihre Schwester anscheinend wieder zur\u00fcck, davon musste man zumindest ausgehen, wenn der Pr\u00e4sident so ein Projekt genehmigte.<br \/>\n\u00bbWas genau soll ich tun?\u00ab, fragte sie schlie\u00dflich, ohne einen der beiden anderen Anwesenden direkt anzusprechen.<br \/>\nNarayan wechselte einen erneuten Blick mit Petrova, bevor er sich r\u00e4usperte. \u00bbOhne \u00fcberm\u00e4\u00dfig ins Detail gehen zu wollen: Sie werden die Janus in den Hoheitsbereich der Sidani f\u00fchren, Captain. Ihre Aufgabe wird es sein, Jagd auf die zivile Raumfahrt dieser Au\u00dferirdischen zu machen. Au\u00dferdem sind Angriffe auf kleinere Raumstationen und Au\u00dfenposten vorgesehen.\u00ab Er hielt kurz inne und sah sie eindringlich an. \u00bbHalten Sie sich jedoch unbedingt von Kriegsschiffen fern. Auf den ersten Blick mag die Janus jedem Vergleich mit einem UES-Kreuzer standhalten. Doch die Sidani sind nicht dumm, sie werden den einen oder anderen Unterschied mit Sicherheit bemerken, sobald sie erst einmal genauere Daten zur Verf\u00fcgung haben. Daf\u00fcr muss man kein Genie sein.\u00ab<br \/>\n\u00bbVerzeihung, Sir\u00ab, brachte Meena erstaunt vor. \u00bbWenn Sie damit rechnen, dass die Sidani den Bluff bemerken werden, warum soll der Plan dann \u00fcberhaupt umgesetzt werden?\u00ab<br \/>\n\u00bbBei den Sidani gibt es gen\u00fcgend Hardliner, denen jeder Vorwand recht ist, um sich f\u00fcr die Niederlage im Krieg von 16\/26 zu revanchieren. Und solange es keine wirklichen Beweise daf\u00fcr gibt, dass die <em>Janus<\/em> eines unserer Schiffe ist, hat der Plan eine sehr reale Chance auf Erfolg\u00ab, antwortete Narayan \u00fcberzeugt. \u00bbDie Sidani werden \u2013 wenn Sie alles richtig machen, Captain \u2013 unsere Ziele nicht durchschauen. Es ist von essenzieller Bedeutung, dass die Sidani Ihr Schiff niemals stellen beziehungsweise kapern k\u00f6nnen.\u00ab<br \/>\n\u00bbSir, bei allem Respekt\u00ab, begann Meena, \u00bbaber das ist doch ein sehr gef\u00e4hrlicher Plan. Sobald die Operation l\u00e4uft und die ersten Frachter zerst\u00f6rt werden, werden die Sidani alles daransetzen, den Handelsst\u00f6rer \u2013 also mein Schiff \u2013 zum Kampf zu stellen. Sie haben eine gewaltige Raumflotte. Die m\u00e4chtigste des bekannten Raumgebiets. Nicht einmal die Flotten der Vorioner oder der Yargon k\u00f6nnen mit der der Sidani mithalten.\u00ab<br \/>\n\u00bbDas ist uns bekannt, Captain\u00ab, meinte Petrova wirsch und sichtlich ungehalten. \u00bbDer Pr\u00e4sident und Ihre Schwester haben alles Relevante bereits gekl\u00e4rt. Wir haben ohnehin keine echten Optionen. Ohne neue Eroberungen auf Kosten der UES steht es um die Zukunft unserer Allianz sehr schlecht.\u00ab Die Ministerin fixierte Meena. \u00bbWir m\u00fcssen es wagen, Captain.\u00ab<br \/>\nMeena schluckte schwer. Dass Petrova die wirtschaftlichen Probleme und die absehbaren Folgen so offen aussprach, lie\u00df tief blicken. Nat\u00fcrlich durfte sie das nicht nach au\u00dfen tragen, das war ihr vollkommen klar, auch wenn Narayan und Petrova dies nicht laut ausgesprochen hatten. Es verstand sich von selbst, wollte sie am Leben bleiben.<br \/>\n\u00bbAlso gut.\u00ab Meena atmete tief durch. Es fiel ihr nicht leicht. \u00bbWas ist mit der Mannschaft des Schiffs? Wenn ich die Janus \u00fcbernehmen soll, dann brauche ich Leute, denen ich uneingeschr\u00e4nkt vertrauen kann.\u00ab<br \/>\nPetrova nickte und schaute Narayan an. \u00bbDa kann ich Ihnen weiterhelfen, Captain\u00ab, begann der Flottenadmiral. \u00bbDie Mannschaft der <em>Daedalus<\/em> befindet sich gerade auf dem Weg hierher. Die unbesetzten Stellen werden durch handverlesene Leute aufgef\u00fcllt.\u00ab<br \/>\n<em>Von denen einige ganz sicher Spione der ACSA sind<\/em>, dachte Meena s\u00e4uerlich, vermied es aber tunlichst, sich davon etwas anmerken zu lassen. So belie\u00df sie es bei einem schlichten \u00bbDanke\u00ab.<br \/>\nF\u00fcr einen Kommandanten der Allianzflotte war die Anwesenheit eines Politoffiziers nichts Weltbewegendes, sondern etwas vollkommen Normales \u2013 denn das Taylor-Regime vertraute niemandem. Nicht einmal denjenigen, denen es seine eigentliche Macht verdankte, n\u00e4mlich dem Milit\u00e4r.<br \/>\nUnd so war Meena ganz froh dar\u00fcber, dass sie zu ihrem Politoffizier Michael de Klerk ein recht gutes Verh\u00e4ltnis hatte. Mittlerweile vertraute sie ihm und respektierte ihn. Dieser Umstand und die Aussicht darauf, ihn und die gesamte Crew der <em>Daedalus<\/em> bei dieser Unternehmung an ihrer Seite zu wissen, verliehen ihr ein gutes Gef\u00fchl.<br \/>\n\u00bbNun, Captain, werden Sie die F\u00fchrung der <em>Janus<\/em> annehmen?\u00ab, fragte Narayan, wobei er sie eindringlich ansah. Auch die gr\u00fcnen Augen von Petrova lasteten schwer auf Meena.<br \/>\n\u00bbJa, Sir\u00ab, antwortete sie nach einer kurzen Denkpause. Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht, aber eine echte Alternative hatte sie ohnehin nicht. Zwei Dinge bereiteten ihr heftige Kopfschmerzen. Zum einen, dass sie unschuldige Sidani w\u00fcrde t\u00f6ten m\u00fcssen. Zum anderen, dass ein durch ihre Aktionen ausgel\u00f6ster Krieg Millionen von Toten fordern w\u00fcrde. Wom\u00f6glich b\u00fcrdete sie sich damit eine Schuld auf, mit der sie nicht leben konnte. Aber dar\u00fcber wollte sie nicht wirklich nachdenken, denn sie hatte einen Auftrag bekommen, der ihre Karriere im Erfolgsfall ordentlich voranbringen konnte. Nicht zu vernachl\u00e4ssigen war auch, dass das Ansehen ihrer Familie wieder erheblich steigen w\u00fcrde, das infolge der gescheiterten Porrima-Aktion deutliche Einbu\u00dfen erlitten hatte.<br \/>\n\u00bbGut, Captain\u00ab, meinte Narayan zufrieden. \u00bbRuhen Sie sich etwas aus. Einer meiner Adjutanten wird Ihnen ein Quartier zuweisen. Morgen werden wir dann gemeinsam die Janus besichtigen. Ich sch\u00e4tze, Sie k\u00f6nnen es kaum erwarten, das Schiff eingehend in Augenschein zu nehmen. Sie werden sich f\u00fcr die anstehende Aufgabe mehr als ger\u00fcstet f\u00fchlen. Das verspreche ich Ihnen.\u00ab<br \/>\n\u00bbDanke, Sir\u00ab, sagte Meena, stand auf und salutierte. \u00bbBitte um die Erlaubnis, wegtreten zu d\u00fcrfen.\u00ab<br \/>\n\u00bbErlaubnis erteilt, Captain\u00ab, sagte Narayan.<br \/>\nDie Ministerin wartete ab, bis Meena Sinha den Raum verlassen hatte, wobei sie ihren Abgang interessiert verfolgte. \u00bbWas h\u00e4ltst du von ihr, Murali? Ist sie die Richtige f\u00fcr den Job?\u00ab<br \/>\nNarayan lehnte sich zur\u00fcck und blies die Wangen auf. Nachdenklich stie\u00df er die Luft wieder aus, so als k\u00f6nne er damit eine Last von sich nehmen. \u00bbKavita Sinha wollte sie haben. Der Pr\u00e4sident vertraut ihr wieder, da stellt sich die Frage, ob Meena Sinha geeignet ist oder nicht, gar nicht erst, Valentina.\u00ab<br \/>\nPetrova war mit der Antwort alles andere als zufrieden und bedachte den Flottenadmiral mit zu Schlitzen verzogenen Augen. \u00bbMan sollte meinen, dass man f\u00fcr so eine Aufgabe Offiziere ausw\u00e4hlt, die daf\u00fcr optimal qualifiziert sind und nicht nur der richtigen Familie angeh\u00f6ren.\u00ab<br \/>\nNarayan h\u00e4tte beinahe laut aufgelacht, aber das h\u00e4tte die Ministerin sicher nicht entschuldigt. Doch gerade der letzte Teil ihres Satzes entbehrte nicht einer gewissen Komik. Denn wenn in der Allianz eines wichtig war, dann die Familienzugeh\u00f6rigkeit und gute Beziehungen zu den h\u00f6chsten Kreisen der Regierung. \u00bbWarten wir ab, Valentina\u00ab, sagte der Admiral schlie\u00dflich. \u00bbVielleicht \u00fcberrascht sie dich noch. Ihre Akte gibt jedenfalls keinen Grund zur Beanstandung.\u00ab<br \/>\n\u00bbWenigstens etwas\u00ab, antwortete Petrova wenig \u00fcberzeugt. \u00bbAber vielleicht hast du recht: Warten wir ab, wie sich Meena Sinha anstellt.\u00ab<br \/>\n\u00bbDem stimme ich zu\u00ab, erkl\u00e4rte Narayan und machte dabei einen zufriedenen Eindruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zur selben Zeit<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meena betrat den Korridor, ohne die Wachposten an der T\u00fcr weiter zu beachten. Zu stark war sie von ihren Gedanken eingenommen. Deshalb bemerkte sie auch nicht gleich die Frau, die in einem topmodischen und k\u00f6rperbetonten schwarzen Anzug sowie einem Kopftuch und einer Art Schleier auf sie zukam.<br \/>\n\u00bbIch habe mich schon gefragt, wann du auftauchst, Kavi\u00ab, begr\u00fc\u00dfte Meena ihre Schwester, wobei ihre Stimme bedrohlich klang. Es gefiel ihr gar nicht, f\u00fcr diesen Auftrag ausgew\u00e4hlt worden zu sein.<br \/>\n\u00bbNicht hier\u00ab, sagte Kavita Sinha mit einem Nicken und hob beschwichtigend eine Hand, mit der sie kurz auf eine T\u00fcr wies.<br \/>\nMeena Sinha schluckte ihren \u00c4rger f\u00fcr den Moment hinunter und folgte ihrer Schwester in den kleinen Konferenzraum. Kavita stellte umgehend einen St\u00f6rsender auf den Tisch und aktivierte ihn.<br \/>\n\u00bbWie geht es dir, Kavi?\u00ab, fragte Meena mit ehrlichem Interesse, nachdem der Sender seine Arbeit aufgenommen hatte, was er mit einem kurzen melodischen Ton anzeigte. Gleichzeitig begann ihre Schwester damit, langsam den Schleier und das Kopftuch abzunehmen.<br \/>\n\u00bbDen Umst\u00e4nden entsprechend\u00ab, bekam sie zur Antwort.<br \/>\nMeena stand schon ihr ganzes Leben lang im Schatten ihrer \u00e4lteren Schwester. Kavita war stets die Schlaueste, Sch\u00f6nste und auch Erfolgreichste gewesen, doch irgendwie hatten sie trotzdem immer zusammengehalten.<br \/>\nVorsichtig nahm Kavita Sinha das Kopftuch komplett ab. Meena musste sich zwingen, ihre Schwester unvoreingenommen anzusehen. Fr\u00fcher hatte sie als eine der attraktivsten Frauen der ganzen Allianz gegolten, doch seit dem schrecklichen Vorfall auf der Independence, bei dem sie am ganzen K\u00f6rper Verbrennungen erlitten hatte, war ihr \u00c4u\u00dferes entstellt. Gl\u00fccklicherweise hatte sich das Bild in der Zwischenzeit gebessert. Unz\u00e4hlige Haut- und Haartransplantationen hatten die schlimmsten Auswirkungen beseitigt. Dennoch w\u00fcrde Kavitas \u00c4u\u00dferes nie wieder so makellos sein, wie es einstmals gewesen war.<br \/>\n\u00bbDa hast du mir ja eine sch\u00f6ne Aufgabe aufgehalst, Schwesterherz\u00ab, sagte Meena, wobei sie an Kavita herantrat und sie freundlich umarmte.<br \/>\n\u00bbIch brauche jemanden, dem ich vertrauen kann\u00ab, antwortete Kavita, w\u00e4hrend sie sich langsam aus der Umarmung ihrer Schwester l\u00f6ste. Seit den furchtbaren Ereignissen auf der<em> Independence<\/em> w\u00e4hrend der Porrima-Aktion empfand sie k\u00f6rperliche N\u00e4he als \u00fcberaus unangenehm.<br \/>\n\u00bbAber ein zweiter Erde-Sidani-Krieg?\u00ab, fragte Meena besorgt. \u00bbDas ist doch ein total verr\u00fccktes Unterfangen. Wenn das schiefgeht, kann das die Existenz der gesamten Menschheit gef\u00e4hrden.\u00ab<br \/>\n\u00bbWir haben sie schon einmal besiegt\u00ab, entgegnete Kavita k\u00fchl.<br \/>\n\u00bbDie Sidani hatten nach zehn Jahren Krieg einfach keine Lust mehr, weiterzuk\u00e4mpfen\u00ab, relativierte Meena mit einem bei\u00dfenden Unterton in der Stimme. \u00bbDas ist wohl nicht ganz dasselbe!\u00ab<br \/>\nKavita lachte. \u00bbGut gekontert, Meena.\u00ab<br \/>\n\u00bbVielleicht, aber helfen tut mir das nicht\u00ab, gestand sie mit einem gequ\u00e4lten L\u00e4cheln ein.<br \/>\n\u00bbNein, tut es nicht\u00ab, best\u00e4tigte Kavita. \u00bbWie gesagt: Ich brauche dich, Meena. Das Janus-Projekt muss von jemandem geleitet werden, dem ich uneingeschr\u00e4nkt vertrauen kann \u2013 und dieser Jemand bist du. Ich wei\u00df, du wirst alles dir M\u00f6gliche tun, um die Operation zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, selbst wenn dir die Konsequenzen nicht vertretbar erscheinen.\u00ab<br \/>\nMeena sah ihre Schwester abwartend an. \u00bbDie zu erwartenden Millionen Toten, die unausweichlich sind, wenn ich meine Aufgabe erf\u00fclle, belasten mein Gewissen, Kavi. Ich w\u00fcnschte, du h\u00e4ttest jemand anderen f\u00fcr die Leitung dieser Operation ausgew\u00e4hlt.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch habe dich vorgeschlagen, Meena, das ist wahr\u00ab, r\u00e4umte Kavita ein. \u00bbDer Pr\u00e4sident hatte allerdings durchaus Alternativen, hat sich letztendlich aber f\u00fcr dich entschieden.\u00ab<br \/>\n\u00bbNa, wenn der Pr\u00e4sident ruft, dann sagt man besser nicht Nein, richtig?\u00ab Meena lachte angestrengt. Sie war nicht gl\u00fccklich.<br \/>\nKavita trat zu ihr heran und sah ihr tief in die Augen. \u00bbDu wei\u00dft nicht, wie hart die vergangenen acht Monate waren, Meena. Unsere Familie hat sehr viel an Reputation eingeb\u00fc\u00dft. Gleich nach der Porrima-Aktion haben mehrere Familien damit begonnen, aus unserer Schw\u00e4chephase Kapital zu schlagen.\u00ab Sie unterbrach sich einen Augenblick, bevor sie fortfuhr: \u00bbVater w\u00e4re daran beinahe zerbrochen.\u00ab Sie atmete tief durch. \u00bbEine Sinha hat diesen Plan ausgearbeitet, und eine Sinha sollte ihn auch umsetzen und zum Erfolg f\u00fchren.\u00ab<br \/>\nMeena schaute Kavita abwartend an. \u00bbIst das wirklich so?\u00ab<br \/>\n\u00bbWas meinst du?\u00ab, fragte ihre Schwester irritiert.<br \/>\n\u00bbDer Umbau der Janus muss schon eine ganze Weile vonstattengehen. Allein f\u00fcr das Versetzen der Hauptgesch\u00fctze braucht man doch Monate.\u00ab<br \/>\nKavita l\u00e4chelte. \u00bbMan kann dir nichts vormachen, Meena. Das war schon fr\u00fcher so.\u00ab Sie dachte einige Augenblicke lang nach. \u00bbDu hast recht\u00ab, begann sie schlie\u00dflich. \u00bbDer Umbau des Kreuzers wurde schon vor drei Jahren in Angriff genommen. Admiral Gauthier hatte die Idee, einen kampfstarken getarnten Handelsst\u00f6rer zu konstruieren, und autorisierte den Umbau. Doch die Arbeiten wurden nicht sehr energisch vorangetrieben. Auch weil es keine konkreten Pl\u00e4ne f\u00fcr den Einsatz des Handelsst\u00f6rers gab. Erst ich habe dies ge\u00e4ndert und der Janus damit eine Existenzberechtigung gegeben\u00ab, erkl\u00e4rte sie mit un\u00fcberh\u00f6rbarem Stolz in der Stimme. \u00bbAnfangs war der Pr\u00e4sident zwar nicht unbedingt begeistert, aber je mehr ich von meinem alten Einfluss zur\u00fcckerlangte, desto mehr gewann ich Taylor f\u00fcr den Plan.<br \/>\nWenn er funktioniert, wird nicht nur die Zukunft der Allianz gesichert sein, sondern auch der Ruf und die Stellung unserer Familie werden nicht nur wiederhergestellt werden, sondern auch noch wachsen.\u00ab<br \/>\nMeena nickte bed\u00e4chtig. \u00bbAber ist der Preis daf\u00fcr nicht viel zu hoch?\u00ab<br \/>\nKavita sah sie ernst an. \u00bbNein\u00ab, war alles, was sie darauf antwortete. F\u00fcr sie stellte sich diese Frage gar nicht erst. \u00bbAlles, was den weiteren Bestand der Allianz sichert, ist es wert, in Kauf genommen zu werden. Wenn das Millionen toter Menschen und Au\u00dferirdischer sind, dann muss es eben so sein.\u00ab<br \/>\nMeena schluckte schwer. Obwohl sie ihre Schwester wirklich mochte, hatte sie ihre r\u00fccksichtslose Art schon immer verabscheut. Die Tatsache, dass sie nun auf die gleiche Weise handeln sollte, sagte ihr \u00fcberhaupt nicht zu. Aber da sie Fleet Admiral Narayan bereits zugesagt hatte, gab es kein Zur\u00fcck mehr. Sie w\u00fcrde die <em>Janus<\/em> schon bald gegen die Sidani f\u00fchren und damit einen Krieg heraufbeschw\u00f6ren, der die bekannte interstellare Welt f\u00fcr immer ver\u00e4ndern konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ende von Kapitel 1<\/strong><br \/>\n<strong>Alle Rechte vorbehalten!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Unbekanntes System September 2355 (ESZ) Sanft glitt der Shuttle durch die in ein tiefes Rot getauchte Start- und Lander\u00f6hre des Allianzzerst\u00f6rers ACS Deucalion, bis er schlie\u00dflich in das freie All vorstie\u00df, vorbei an den vier rhythmisch blinkenden Positionslichtern, die &hellip; <a href=\"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/?page_id=1008\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":29,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1008","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1008"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1013,"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1008\/revisions\/1013"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/29"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.matthias-hofmann.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}